Eine Mischung aus Trauer und Stolz dürfte die Stimmungslage im TSV-Lager wohl am besten beschreiben, nachdem unsere Erste am Sonntag auf dramatische Weise im Relegations-Halbfinale scheiterte. Vordergründig war es ein Elfmeter-Fehlschuss zu viel oder ein ungenau ausgespielter Angriff zu viel, ein Punktverlust zu viel in der Meisterschaft oder, oder, oder: Allen Spielern und anderen Beteiligten dürften heute so einige Situationen durch den Kopf gehen, die mit etwas mehr Glück den Lauf der Dinge verändert hätten. Es muss in der Kreisliga B eben nahezu alles zusammenpassen, wenn eine starke Saison am Ende auch mit dem Aufstieg belohnt werden soll. Soweit die grüblerische Sicht auf die Dinge.
Tatsache ist aber auch, dass unser junges Team unter der Führung von Trainer Roberto Zaccaro und Betreuer Matthias Kühner in diesem Jahr das beste Saisonergebnis seit über 10 Jahren erreicht hat! Denn seit der TSV Leinfelden in den Sommern 2014 und 2015 ungebremst von der Bezirksliga bis in die Kreisliga B abstürzte, kam man dem Wiederaufstieg noch nie so nah wie am gestrigen Sonntag – sieht man mal von der unvollständigen „Corona-Saison“ 20/21 ab, als der TSV zum Zeitpunkt des Abbruchs Spitzenreiter war.

Und es gehört zum Sport einfach dazu, dass gerade die großartige Leistung, auf die man so besonders stolz sein kann, das ist, was das Scheitern auch besonders bitter macht. Denn im Halbfinalspiel, das am vergangenen Sonntag auf der Anlage des TSV Jahn Büsnau einen perfekt organisierten Rahmen hatte, ist am Ende die bessere Mannschaft aus dem Aufstiegsrennen geflogen.
Die Ausgangsposition bot einen reizvollen Kontrast: Hier das junge Team voller Talent und Dynamik und gegenüber mit dem MK Makedonija Stuttgart eine Mannschaft mit reichlich Erfahrung auch auch aus höheren Ligen, die in den letzten Jahren in der Kreisliga A2 fest auf den einstelligen Tabellenplätzen etabliert war und heuer nur durch eine Phase interner Unruhe in den Tabellenkeller gerutscht ist. Welche jeweiligen Stärken sich in diesem ungleichen Duell als entscheidend herausstellen würden, war eine Frage, die sicherlich auch manchen neutralen Beobachter zum Austragungsort lockte, der ansonsten aber klar in der Hand des überwiegend in Rot gekleideten Leinfelder Anhangs war.

Und tatsächlich entwickelte sich ein Spiel, das genau die erwarteten Merkmale zeigte: Die TSV-Jungs spielten mutig und beherzt nach vorne, was Makedonija mehr zu schaffen machte, als ihnen recht sein konnte. Der A-Ligist kam dadurch deutlich seltener in die Offensive als Leinfelden, aber wenn, dann waren die Angriffsaktionen aufgrund der individuellen Klasse meist sofort brandgefährlich und es war mehr als einmal das ganze Können unserer Hintermannschaft nötig, um die Null zu halten.

Nach knapp einer halben Stunde wurde deutlich, dass dieser Spielverlauf anders war, als die formstarken Stuttgarter – immerhin vier Siege aus sechs Spielen zuletzt – sich das vorgestellt hatten. Leinfelden ließ eine Angriffswelle auf die andere folgen und unter diesem ständigen Druck misslangen immer öfter die Befreiungsaktionen von Makedonija. Das führte jetzt deutlich hörbar zu Unruhe im Team und zu gegenseitigen Schuldzuweisungen – also genau der Punkt, an den man eine gegnerische Mannschaft bringen möchte. Das hatte Leinfelden schon einmal geschafft, nur ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt fiel Makedonijas einziger Treffer des Tages aus dem Spiel heraus. Nach einer ersten Klärungsaktion war bei der erneuten Hereingabe von links der insgesamt wohl gefährlichste Stürmer des A-Ligisten per Kopf zentral zur Stelle und ließ Simon im Tor keine Abwehrchance.

Psychologisch war der Zeitpunkt insofern ungünstig, als er den Stuttgartern gerade dann wieder neuen Mut gab, als sie angefangen hatten, ein wenig zu kriseln. Umso stärker muss man die anschließende Reaktion des TSV einschätzen. Sie bewahrten die Ruhe und spielten in dem Stil weiter, der für sie seit Spielbeginn ja gut funktioniert hatte. Hinten musste Simon im Tor noch einmal sehenswert retten, aber ansonsten spielte nur Leifelden nach vorn und das wurde nur zehn Minuten später mit dem hochverdienten Ausgleich belohnt:





Das schön herausgespielte Tor und der Ausgleich noch vor dem Pausenpfiff sorgte nicht nur beim Team für große Erleichterung, sondern hinterließ auch bei den Fans überwiegend den Eindruck, dass der TSV wieder in der Spur ist und sich anschickte, seine spielerische Überlegenheit in Halbzeit zwei weiter auszuspielen und in Tore zu verwandeln.
Und diese Prognose trat dann auch ungefähr so ein – nur leider, leider ohne den wichtigsten Punkt mit dem Torerfolg. Denn auch in der zweiten Hälfte war ganz objektiv betrachtet Leinfelden klar das aktivere Team, so dass Einbahnstraßenfußball entstand in Richtung des Makedonija-Tors, in dem heute nur leider ein glänzend aufgelegter Keeper stand, der auch die gefährlichsten Bälle hielt, die aufs Tor kamen. Andere Abschlüsse rauschten knapp vorbei und in wieder anderen Situationen fehlte nur noch der letzte Pass zum Nebenmann.


Kurz gesagt: Leinfelden stürmte an und Makedonija kam in den zweiten 45 Minuten plus 30 Minuten der Verlängerung gefühlt nur dreimal in die Nähe des Leinfelder Tores, was allerdings auch nochmal zum Schreckmoment eines Lattentreffers führte. Ansonsten waren die Männer in Weiß jedoch nur damit beschäftigt, sich gegen mutige und nimmermüde spielende Leinfelder zu wehren und das eigene Tor zu verteidigen.
Bezeichnend ist hier ein Fehler, der bei der Stuttgarter Zeitung passiert ist, als von den Relegationsspielen berichtet wurde. Als Sinnbild für den Frust nach großem Kampf zeigten die „Kollegen“ einen völlig erledigten Makedonija-Akteur und schrieben ihn fälschlicherweise Leinfelden zu. Auch das ist eine Anekdote, auf die unsere Jungs mit etwas Abstand hoffentlich stolz sein werden, wenn sie sich an diesen denkwürdigen Tag zurückerinnern: Sie sahen definitiv nicht wie die Verlierer aus!
Im selben StZ-Beitrag stand auch die Aussage von Makedonijas Trainer, dass er sich jetzt gute Chancen zum Ligaverbleib ausrechne, „denn das war sicherlich das schwierigere Spiel.“ – Eine Aussage, die man beim TSV Rohr II als Motivationshilfe sicher genauso gern hört, wie als kleinen Trost in Leinfelden. 😉

Der klassenhöhere MK Makedonija Stuttgart rettete sich also mit Mühe über die Spielzeit und so kam es dann zwangsläufig nach 120 mitreißenden Minuten in, in denen unseren Jungs nur eine klitzekleine Portion Abgebrühtheit oder wenigstens Spielglück fehlte, zum bekannten bitteren Ende im Elfmeterschießen.

Das Ausscheiden nach so einer starken Leistung fühlt sich ungerecht an, quasi wie ein Fehler im System. Denn nicht nur in dieser Relegation, sondern auch in Test- und Pokalspielen, in denen unsere Erste auf Gegner aus höheren Spielklassen trifft, hat man beim Zuschauen den Eindruck, dass in Leinfelden bereits eine Mannschaft spielt, die in der Kreisliga A gut mithalten könnte. – Sie muss eben nur noch durch dieses verflixte Nadelöhr namens „Aufstieg“, das dafür bekannt ist, jeden Ausrutscher zu bestrafen, der im Laufe einer Saison passiert.
Die noch frische bittere Niederlage hat zwar den Traum vom Aufstieg 2026 beendet, aber nicht die weitere Entwicklung dieses tollen Teams! Der Trend der letzten Jahre spricht auch objektiv eine ganz eindeutige Sprache und es macht enorm Spaß, den Jungs dabei zuzuschauen, wie sie mit viel Herzblut für den TSV teils wunderschönen Fußball zeigen. Eine alte Sportweisheit ist, dass man aus Niederlagen ganz besonders viel lernen kann. Und vielleicht bringt die Erfahrung, einen höherklassigen Gegner spielerisch zwar dominiert, aber nicht endgültig bezwungen zu haben, den kleinen Tick Reife und Abgezocktheit, den sich junge Spieler einfach nach und nach holen müssen, auch wenn’s manchmal weh tut.
Was ganz gewiss ist, ist dass uns unser Team auch in der kommenden Saison wieder mitreißende Spiele und tollen Fußball zeigen wird. Und genauso klar ist es, dass der TSV Leinfelden auf jeden Fall wieder eine erste Herrenmannschaft hat, die ein tolles Vorbild für unsere Jugendteams ist und auf die er ohne Wenn und Aber stolz sein kann – egal in welcher Liga.











































